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am 31. August 2020

Platz für Fußgänger*innen

Michaela Szelesy - Favoriten ist ein dicht besiedelter Bezirk mit vielen Angeboten der Nahversorgung in nächster Umgebung. Viele Menschen können daher ihre täglichen Erledigungen zu Fuß machen. Aber bequem sind diese Spaziergänge häufig nicht.

Öffentlicher Raum ist dominiert von exklusiven Straßenräumen für Autofahrer*innen. Wer kein Fahrzeug besitzt oder sich keines leisten kann ist davon ausgeschlossen, diesen Teil des öffentlichen Raums zu nutzen. Beinahe 70 % des öffentlichen Raums in Wien sind für diese Nutzung vorgesehen. Alle anderen Nutzer*innen des öffentlichen Raums müssen Rücksicht nehmen, denn Unachtsamkeiten können lebensgefährlich sein. Dabei werden nur rund 25 % der Wege mit dem Auto zurückgelegt, rund 30 % zu Fuß. Dennoch sind gerade einmal 1 % des Wiener öffentlichen Raums Fußgängerzonen. Und der Rest Gehsteige. Den Autos ist dabei jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen. Meist befindet sich die gesamte Straßenmöblierung wie Schilder, Hydranten, Mistkübel, Lichtmasten, Werbetafeln oder Zeitungsständer auf den Fußwegen. 38 % der Gehwege in Wien sind zudem schmaler als zwei Meter.

Diese Zahlen schlagen sich in einem Alltag nieder, der für Fußgänger*innen Schwierigkeiten und Hindernisse mit sich bringt. Familien, Kinder, Ältere, körperlich beeinträchtigte und andere Fußgänger*innen müssen sich stets mit Gefahren und Hindernissen auseinandersetzen. Besonders in Zeiten einer Pandemie wäre es wichtig, die Möglichkeit zu haben, Abstand zu halten. Aber dies ist bei Gehsteigen, die schmaler als zwei Meter sind, unmöglich. Diese Verteilung des öffentlichen Raums kann man daher als Diskriminierung benachteiligter Bevölkerungsgruppen bezeichnen. 

Bei uns in Favoriten stimmen aber die Voraussetzungen für eine „Viertelstundenstadt“. Also eine Nachbarschaft, in der man bequem innerhalb einer Viertelstunde zu Fuß alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs erreichen kann. Es ist daher an der Zeit, die Verhältnisse im öffentlichen Raum zurechtzurücken. Es braucht die Verbreiterung von Gehwegen, mehr Bäume und Sitzgelegenheiten, die Verkehrsberuhigung von Wohngebieten, mehr Fußgänger- bzw. Begegnungszonen und sichere Übergänge bei Kreuzungen mittels Temposchwellen und Haltepflicht. Nur so ist es möglich, dass alle Bewohner*innen Favoritens bequem und sicher den öffentlichen Raum nutzen können. Und am Ende des Tages sind wir doch alle Fußgänger*innen. Es geht daher um mehr Sicherheit, Ruhe und Lebensqualität für alle. Das ist sozial und grün.