Bezirke
Navigation:
am 6. Jänner

Lebensmittel sind kostbar! Stopp der Lebensmittelverschwendung

Viktor Schwabl - Jedes Jahr landet weltweit ein Drittel der genießbaren Lebensmittel auf dem Müll oder geht während der Verarbeitung in der Produktionskette verloren.


Das entspricht weltweit circa 1,3 Milliarden Tonnen. Gleichzeitig leiden weltweit über 678 Millionen Menschen an Unter- oder Mangelernährung. Es ist ein globales Versagen, wenn man zwar innerhalb von einigen Stunden mit einem Flugzeug in den Urlaub jetten kann, jedoch nicht in der Lage ist die global verfügbaren Lebensmittel gerecht zu verteilen.

In Österreich werden circa 157.000 Tonnen an genießbaren Lebensmitteln jedes Jahr weggeschmissen. Gleichzeitig sind 1 Million Menschen Armutsgefährdet und sparen nicht selten beim Lebensmitteleinkauf, um sich hohe Miet- oder Heizkosten leisten zu können. Gerade während der Corona-Pandemie ist der Anteil der Menschen, die ihre Lebensmitteleinkäufe über Sozialmärkte tätigen, stark gestiegen.

Lebensmittel, die im Müll landen, sind nicht nur in sozialer Hinsicht ein Fehler, der unseren gesellschaftlichen kapitalistisch-ökonomischen Ansprüchen zu Grunde liegt. Laut Prognosen wird die Nachfrage an Lebensmitteln bis zum Jahr 2050 um 70% steigen. Eine dermaßen ausgeprägte Verschwendung an Lebensmitteln und ressourcenintensive Ernährungsweise (Stichwort: Fleischkonsum) kann weder global noch in Österreich auf Dauer nachhaltig und tragbar für diesen Planeten und die Menschen sein.

Lebensmittel sind sehr kostbar und brauchen Wasser und Energie um „hergestellt“ und geliefert zu werden. Tierische Produkte (Fleisch und Milchprodukte) brauchen mehr Energie, als pflanzliche Kost. Unabhängig, ob es sich um Lebensmittel tierischen oder pflanzlichen Ursprungs handelt, ist ein Lebensmittel, das im Müll landet, ein Verlust dieser eingesetzten Energie. Ich möchte das am Beispiel einer einfachen Semmel zeigen:

Erst muss ein Acker für den Anbau des Weizens aufbereitet werden und in weiterer Folge ausgesät werden. In der Regel werden auch Dünger und Pflanzenschutzmittel für einen hohen Ertrag am Feld ausgebracht. Nach der Ernte wird das Korn, meist nach einer Zwischenlagerung, in einer Mühle zu Mehl verarbeitet. Dieses wird verpackt und in einer Bäckerei zu Semmeln verarbeitet, die wir dann im Geschäft kaufen können. Wird diese Semmel nun entsorgt, weil sie ein bisschen angetrocknet ist, war der gesamte Aufwand, der zuvor für diese Semmel betrieben worden ist, umsonst.

Es beginnt bei jedem selbst, indem man sich die Fragen nach dem eigenen Konsumverhalten stellt, wie oft man genießbare Lebensmittel entsorgt, aber auch wie oft Lebensmittel im Haushalt verderben. Durch einen bewussteren und sparsameren Umgang mit dem wertvollen Gut (Über-)Lebensmittel, sowie einer Änderung hin zu einer pflanzenreichen und fleischarmen Ernährung können viel Energie und Ressourcen gespart werden, ohne gesundheitliche oder ernährungstechnische Nachteile zu erfahren.

Wenn man einen Blick in unsere Supermärkte wirft, sind die Regale bis oben hin mit einer nahezu unüberschaubaren Palette an Produkten verräumt. Dadurch hat man zwar die Möglichkeit auf ein breites Sortiment an Produkten zuzugreifen, jedoch erreichen einige dieser Produkte das Mindesthaltbarkeitsdatum bevor diese verkauft werden. Werden vor Ablauf dieses Zeitpunkts die Waren nicht gekauft, landen diese schlichtweg im Mistkübel da der Verkauf von „abgelaufenen“ Produkten in Österreich verboten ist. Das obwohl viele Lebensmittel über dem Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar sind, wie eine Untersuchung von Greenpeace gezeigt hat. Leider sind jedoch immer wieder Lebensmittel in dem Mülltonnen vor den Supermärkten zu finden, die das Mindesthaltbarkeitsdatum noch lange nicht überschritten haben, aber z.B. aufgrund eines aufgegangenen Produktes, das die weiteren Produkte in einer Palette verschmutzt hat, die gesamte Palette entsorgt wird, da die Kosten der Aufbereitung teurer sind, als deren Entsorgung.

Nach dem Gesetz geht die Ware in der Mülltonne in das Eigentum der Müllentsorgungsfirma über. Ein Entnehmen genießbarer Waren aus der Tonne kommt – nicht nachvollziehbarerweise - strenggenommen Eigentumsdiebstahl gleich!

Mittlerweile hat es sich etabliert, dass einige Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien ihre Waren, die kurz vor der Grenze stehen nicht verkauft werden zu dürfen, zu einem vergünstigten Preis anzubieten, oder freiwilligen Organisationen wie „Foodsharing“ überlassen, die der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. Die geretteten Lebensmittel werden dann mittels sogenannter „Fairteiler“ kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Dennoch kommt es vor, dass Lebensmittel verderben. Oft kann aber, neben einem organisierten Einkauf, die richtige Lagerung für die Dauer der Genießbarkeit von Lebensmitteln ausschlaggebend sein. Das kann durch einen gut geplanten Einkauf und Abschätzen, was man wann konsumieren will, reduziert werden. Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt zu verhindern spart nicht nur Geld sondern trägt durch eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen zu einem aktiven Umweltschutz bei.

Einige Methoden, die jede*r selber anwenden kann um zur Reduktion von Lebebensmittelverlusten beizutragen:

  • Mache dir Überlegungen, was du wirklich braucht – mit einer Einkaufsliste kauft man genau das, was man braucht, nicht noch worauf man „gusto“ hat.
  • Achte auf die richtige Lagerung deiner Lebensmittel
  • Halte deine Küche und deinen Kühlschrank sauber – das reduziert Keimbelastungen, wodurch Lebensmittel nicht so schnell schlecht werden.
  • Auch im Restaurant oder im Lokal: Alles, was am Teller bleibt, wird weggeworfen – hier hilft das Aufessen nicht nur für schönes Wetter am Folgetag ????
  • Prüfe Lebensmittel, bevor du sie entsorgst: Geruch und Optik geben viel Aufschluss über den Zustand eines Lebensmittels – viele sind über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus sehr schmackhaft und genießbar. (Achtung! Bei Schimmel besser entsorgen. Hier geht die eigene Gesundheit vor!)
  • Kaufe im Geschäft Lebensmittel, die bereits mit Aktionsklebern reduziert sind -dadurch werden auch Lebensmittelabfälle reduziert.
  • Engagiere dich bei Organisationen, die sich für Lebensmittelrettung einsetzen („Foodsharing“, „Robin Foods“)
  • Setze dich in einem Grätzel für einen „Fairteiler“ ein, in dem Lebensmittel kostenlos geteilt werden können.
  •  Verarbeite zuerst das, was du zu Hause hast, bevor du neue Lebensmittel einkaufen gehst – aus Resten kann man noch schmackhafte, kreative Speisen zaubern.
 

Eine Inspiration, was man mit den Keks- und Kuchenresten, die noch von Weihnachten über sind, machen kann, findest du im Video hier: