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am 15. Jänner 2016

Haschahof gerettet! Der bevorstehende Abriss wurde verhindert!

- Der Abriss des historischen und architektonisch erhaltenswerten Haschahofs in Rothneusiedl konnte gerade noch verhindert werden. Auf Betreiben der überparteilichen Bürgerinnen_initiative "Stopp MegaCity Rothneusiedl" und mithilfe der kommunikativen und medialen Unterstützung der Favoritner Grünen konnte der gültige Abrissbescheid jetzt zurückgezogen werden.

Der Grüne Gemeinderat und Sprecher für Stadtplanung, Energie und Wohnen, Christoph Chorherr, der den Abriss mitverhindert hat, fordert "eine intelligente Form der Zwischennutzung". Der Haschahof als letzter Vierkanthof Wiens soll auf jeden Fall langfristig erhalten bleiben: "Ein Abriss dieses bauhistorisch bedeutenden Gebäudes wäre ein Frevel. In einem Stadterweiterungsgebiet kann es nichts Besseres geben als alte Gebäude für verschiedene Nutzungen." (vgl. Ziegler, 2016)

Via Twitter beruhigte Christoph Chorherr die Sorgen der Bürger_innen über den vorliegenden Abrissbescheid des Gutshofes: "#Haschahof wird nicht abgerissen." Das Planungsressort (Grüne) habe sich mit dem Wohnbauressort (SPÖ) darüber geeinigt. In den nächsten zehn bis 15 Jahre würden keine Wohnungen errichtet. Man sammle derzeit Ideen für eine temporäre Nutzung. (vgl. Winkler-Hermaden, 2016, S. 8) Der Wohnfonds Wien, der derzeitige Eigentümer der Haschahofs, hat sich die Flächen als langfristige Bodenreserve für den geförderten Wohnbau gesichert, denn dass eine Verbauung von Rothneusiedl samt U1-Verlängerung in 10 bis 15 Jahren durchaus denkbar wäre, ist für dieses Stadterweiterungsgebiet in Süden Favoritens eine mögliche Option. So gesehen könnten langfristig die Tage des Haschahofs - in seiner jetzigen Form und Nutzung - dennoch gezählt sein. (vgl. Ziegler, 2016)

Die Grünen Favoriten und vor allem die überparteiliche Bürger_inneninitiative "Stopp MegaCity Rothneusiedl" setzen sich schon seit Jahren für den Weiterbestand und -bewirtschaftung des Haschahofs und dessen Selbsterntefeldern ein und kämpfen für den Erhalt des Grünraums im Süden von Favoriten - und sie werden dies auch in Zukunft weiter fortführen. Schon im Vorfeld der Diskussionen um den nun zum Glück verhinderten Abriss hatten die Grünen Favoriten hier schon lange und vehement für den Erhalt des Gebäudes plädiert. 

„Es wäre jammerschade wenn so ein einmaliges Gebäude verschwinden würde. Der neue Besitzer, der Wohnfonds Wien, muss unbedingt eine weitere Nutzung ermöglichen, auch ein alternatives Kultur- und Wohnprojekt in den alten Mauern wäre eine durchaus interessante Alternative“ so Anne-Marie Duperron, Klubvorsitzende der Grünen Favoriten. „Vorerst konnten wir was bewegen; Der Haschahof scheint gerettet zu sein. Wichtig ist nun auch, dass die Grünraume rund um den Haschahof erhalten werden und etwa ein Naturlehrpfad für Kinder und Jugendliche sowie eine ökologisch sinnvolle Gestaltungsmöglichkeit des Freiraumes implementiert werden können" betont Anne-Marie Duperron

Wir Favoritner Grünen bleiben an dem Thema dran, wenn sich hier in den nächsten Jahren neue Entwicklungen bezüglich der Um- und Ausbauideen rund um den Haschahof ergeben sollten und wir werden daran mitgestalten. Selbst wenn dort „in den nächsten 15 Jahren sicher nichts gebaut und der Haschahof nicht abgerissen wird“ (C. Chorherr, Der Standard, 15.1.2016) bleibt der Erhalt der Grünlandflächen in Rothneusiedl rund um den Haschahof ein großes Anliegen der Favoritner Grünen.

Auch die Initiative Denkmalschutz will das letzte erhaltene Gutsgebäude seiner Art erhalten und ist nach dem Aussetzen des Abbruchbescheids an einer neuen Nutzung interessiert. Chorherr kann sich unter anderem „Veranstaltungen, Diskussion, Ausstellungen, Märkte, Landwirtschaft, Verkauf, Orte, an denen sich Menschen treffen können und Ideen generieren können, wie sie die Stadt schöner machen.“ vorstellen. (vgl. wien.orf.at)

Der Haschahof war ein traditionsreicher Familienbetrieb in Rothneusiedl am südlichen Stadtrand von Wien. Auf den Feldern wurde von 1987 bis 2014, also beinahe drei Jahrzehnte lang, das größte Selbsternte-Projekt Wiens betrieben, wo interessierte Hobbygärtner_innen Parzellen zu verträglichen Preisen mieten konnten, um Obst und Gemüse in den sogenannten Pflückgärten zu kultivieren. Doch das Ende des Selbsternteprojekts am Haschahof Anfang 2015 kam überraschend. Der Pachtvertrag wurde Ende 2014 nicht mehr verlängert. Das Projekt wurde plötzlich eingestellt und der Hof verkauft: an den Wohnfonds Wien. (vgl. Winkler-Hermaden, 2016, S. 8)

Dieser beantragte zum Bedauern von Denkmalschützern, Hobbygärtner_innen und Bürger_innen Ende 2015 den Abbruch des Ensembles von zehn Gebäuden. „Aus unserer Sicht ist es das letzte erhaltene Gutsgebäude seiner Art in Wien – in der Stadt gibt es so was eigentlich nicht mehr“, sagt Claus Süss von der Initiative Denkmalschutz. (vgl. Thalhammer, 2016) Auf Betreiben der Bürger_inneninitative mit medialer Unterstützung der Favoritner Grünen wurde das Abrissansuchen jetzt zurückgezogen. „Wir haben mit dem Ressort von Stadtrat Michael Ludwig geredet, und vorerst wird es nicht abgerissen“, sagt der Grüne Gemeinderat, Christoph Chorherr. Dass einmal Wohnungen errichtet werden, kann nicht ausgeschlossen werden. Chorherr und die Favoritner Grünen plädieren dafür, den Haschahof als historisches Gebäude zu erhalten. Möglicherweise als Teil einer neuen Wohnanlage. (vgl. Winkler-Hermaden, 2016, S. 8)

Man ist nun bemüht vorerst eine geeignete Zwischennutzung zu finden und in Diskussionen mit allen Beteiligten über die weiteren zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten der Flächen und des Hofes zu starten. Welche Widmung die Fläche bekommen werde, hänge von der Weiterentwicklung des Stadtteils Rothneusiedls ab. Wichtig sei, dass der Haschahof als historisches Gebäude erhalten bleibt. (vgl. ebd.) Denn der Haschahof zählt zu den größten und letzten historischen Dokumenten der Wiener Landwirtschaft und ist daher als solches auch erhaltenswert. Mit dem Selbsternteprojekt dürfte es jedenfalls (vorerst) leider vorbei sein – die Felder wurden an einen Großbauern verpachtet. Die Grünen Favoriten werden sich jedoch weiterhin dafür einsetzen urbane Landwirtschaft am Haschahof, etwa in Form von den bisherigen Selbsterntefeldern oder Urban Gardening Projekten im Sinne biologischer Landwirtschaft auf Gemeindegründen, wieder ins Leben zu rufen. Wir bleiben hier am Ball.

Zur Geschichte des Haschahofs: Thomas Hascha begann 1920 mit der Landwirtschaft, damals unter dem Namen "Gutspachtung Rothneusiedl". 1922 übernahm sein Bruder Jaro Hascha den Hof. Seit 1991 ist der Betrieb ein anerkannter Biobetrieb mit Schafen, Hühnern, Getreide- und Gemüseanbau. Um diese Entwicklung entsprechend zu würdigen, wurde der Betrieb 2001 auf Haschahof umbenannt. (vgl. Haschahof, o.J.) Der Haschahof ist für Wien von ähnlicher Bedeutung wie der Wasserturm oder die Ankerbrotfabrik. Und wie auch immer die Zukunft von Rothneusiedl aussehen sollte: ob als Wald- und Wiesengürtel, wie schon in den 1970er Jahren geplant, ob als neuer Stadtteil mit viel oder wenig Stadtlandwirtschaft, der Abriss des Haschahofs, die Zerstörung dieses einzigen und einzigartigen Bezugs zur Stadtgeschichte in diesem Areal, wäre bedauernswert. (vgl. StadtFruchtWien, 2016)


Quellen:

Haschahof (o.J.) Über Haschahof. Online unter: http://www.haschahof.at/Ueber/#Geschichte – 15.1.2016

ORF Wien (2016) Haschahof entgeht Abriss - vorerst. Online unter: http://wien.orf.at/news/stories/2752596/ - 15.1.2016

Thalhammer, A. (2016) Favoriten: Haschahof darf bleiben. In: Die Presse. Online unter: http://diepresse.com/home/panorama/wien/4904578/Favoriten_Haschahof-darf-bleiben?_vl_backlink=/home/panorama/index.do - 15.01.2016

Winkler-Hermaden, R. (2016) Bürger setzen sich für Erhalt von Gutshof ein. In: Der STANDARD, Nr. 8188, Ausgabe vom 15.1.2016 – Wien

Ziegler, M. (2016) (K)ein Abriss auf Raten. In: Wiener Zeitung. Online unter: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/795544_Kein-Abriss-auf-Raten.html - 15.1.2016

Bildquelle: StadtFruchtWien – eine Initiative für urbane Selbstversorgung (2016) Online unter: https://stadtfruchtwien.files.wordpress.com/2016/01/dsc_2333.jpg/ - 15.1.2016