Bezirke
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am 5. Oktober 2020

Ein Hoch den Bobo Bezirken!

Markus Strutzenberger-Egger - Vor 30 Jahren gab es noch keine Bobo Bezirke. Wenn man von luxuriösen Gegenden sprach, waren damit der ersten Bezirk sowie die Villen und Einfamilienhäuser in den Randbezirken gemeint. Damals waren Neubau und auch Mariahilf noch von engen zubetonierten Straßenschluchten geprägt. Und vor allem war auch der Straßenlärm allgegenwärtig. Kein schönes Bild. Und vor allem keine lebenswerte Wohngegend.

​Ganz ehrlich? Ich kann das Wort "Bobo Bezirk" nicht mehr hören! Es ist einfach ein primitiver Versuch etwas schlecht zu reden ohne sich weiter damit auseinander gesetzt zu haben.​

Diese Bezirke haben sich erst massiv gewandelt, als es unter grüner Bezirksvorstehung bzw. maßgeblicher Koalitionsbeteiligung zu einer massiven Umgestaltung des öffentlichen Raumes gekommen ist. In den letzten 30 Jahren wurden immer mehr Straßen verkehrsberuhigt, das Tempo wurde reduziert, und die Parkraumbewirtschaftung (Parkpickerl) wurde eingeführt. Dazu wurden vor allem auch Durchzugsstraßen unterbrochen, um den Verkehr aus den Wohngegenden draußen zu lassen. Zusätzlich wurden vielerorts Baumpflanzungen vorgenommen und kleine Grüninseln geschaffen.

Als Resultat all dieser Maßnahmen ist jetzt im ganzen Bezirk wieder viel Leben auf die Straßen zurück gekommen. Geschäfte und Gastronomie florieren selbst in Corona Zeiten, eine Verödung und Trostlosigkeit ist weit und breit nicht zu spüren. Und hier geht es gar nicht um die Mariahilfer Straße, die sowieso ein städtebauliches Vorzeigeprojekt ist. Nein, der ganze Bezirk Neubau ist zu einem lebenswerten, ja lebendigen Bereich geworden. Man kann quer durch den Bezirk durch Seitengassen gehen und wird Leben vorfinden. Das hier Erreichte als 'Bobo Bezirk' zu verunglimpfen ist eine Verdrehung der Faktenlage. Vielleicht auch einfach aus Neid jener Politiker, die genau das nicht geschafft haben? Die Wahrheit aber ist: Neubau hat einfach ganz viel sehr richtig gemacht!

Die böse Gentrifizierung

Unter Gentrifizierung versteht man die schleichende Verteuerung einer Wohngegend. Das Paradebeispiel dafür ist der Pariser Bezirk Montmartre. Ursprünglich eine komplett abgewohnte Gegend, siedelten sich ob der günstigen Mieten viele Künstler an. Dies führte dazu, dass auch die gehobenere Schicht die Schönheiten des Bezirks entdeckten und somit die Wohnungspreise stark stiegen. Ähnliches war im Berliner Stadtteil Schöneberg nach dem Fall der Berliner Mauer zu beobachten. Und natürlich ist dies auch in Neubau passiert.

Lasst uns alle Neubau sein!

Aber was ist die Alternative? Sollen wir ganze Gegenden, große Teile Wiens, einfach verkommen lassen? Wäre es nicht viel besser, wenn alle anderen Bezirke das Erfolgsrezept von Neubau aufgreifen würden? Denn ein Preisanstieg kommt immer nur zustande, wenn es auch einen massiven Mehrwert an einem Ort gibt. Gibt es aber ein großes Angebot an wohnenswerten Gebieten, so kann dies verhindert werden. Steigende Mieten verhindert man nämlich nicht, indem man Grätzel ihrem Schicksal überlässt, sondern durch aktive Maßnahmen wie zum Beispiel sozialem Wohnbau, den wir als Grüne in der Stadtregierung wieder aufgenommen haben.

Die Angst vor Gentrifizierung darf also keinesfalls als Ausrede verwendet werden, um zum Beispiel bei uns in Favoriten Straßenberuhigungen abzulehnen! Ganz im Gegenteil, Maßnahmen wie das Unterbrechen von ewig langen Einbahnen in eine Richtung, Schatten für FußgängerInnen, etc. sollten innerhalb von Wohngegenden möglichst flächendeckend in ganz Wien umgesetzt werden. Denn jede einzelne Wienerin, jeder einzelne Wiener - und vor allem jedes in Wien lebende Kind - hat sich eine ruhige, lebenswerte Umgebung verdient.