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am 29. April 2020

Der 30. April ist Tag der Arbeitslosen

Ursula Machold, Renate Vodnek, Michaela Szelesy - Aufgrund der Corona-Krise haben mehr als 250.000 Menschen ihre bezahlte Arbeit verloren. In Summe sind derzeit mehr als 560.000 Menschen als Arbeitssuchend beim AMS vermerkt (Stand Ende März, Quelle AMS). Auf unserer Facebook Seite haben wir gefragt welche Maßnahmen in dieser Situation aktuell am dringendsten sind. Das sind die Ergebnisse:

Umfrageergebnisse aus der Facebook-Umfrage
Arbeitszeitverkürzung bei Lohn- und Personalausgleich

(V. Renate und Michaela)


Vor über vierzig Jahren wurde der 8-Stunden-Arbeitstag und die 40-Stunden-Arbeitswoche Gesetz. Damit wurde eine langjährige Forderung der ArbeiterInnenbewegung umgesetzt, die eine gerechtere Verteilung der Arbeit sowie mehr Zeit für Erholung brachte. Seit damals hat sich leider nicht viel getan. In einigen Branchen gilt inzwischen zwar die 38,5-Stunden-Woche. Doch gesetzlich läuft es in die andere Richtung, denn Schwarz-Blau hat die tägliche Höchstarbeitszeit  auf 12-Stunden erhöht.

Werden die Beschäftigten befragt, sprechen sie sich für kürzere Arbeitszeiten aus: laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien aus dem Jahr 2016 möchten 17,5 Prozent der unselbständig Beschäftigten kürzer arbeiten, nämlich im Schnitt insgesamt 35 Minuten kürzer. Gleichzeitig ist bereits vielfach bewiesen, dass kürzere Arbeitszeiten viele positive Auswirkungen haben: 

  • Gesundheitlich: Die Gesundheit leidet unter überlangen Arbeitstagen massiv. Wesentliche Gründe dafür: Zeitdruck und lange Arbeitszeiten. Als Folge davon nehmen Burnout, Depressionen und andere stressbedingte Erkrankungen zu. Zusätzlich steigt bereits ab der 7. und 8. täglichen Arbeitsstunde das Unfallrisiko deutlich an. Kürzere Arbeitszeiten schützen die Gesundheit und garantieren ausreichend Zeit für Erholung.
  • Gerechtere Verteilung: In Österreich gibt es auf der einen Seite 100.000e Erwerbsarbeitslose und über 1 Mio. Teilzeitbeschäftigte. Oft unfreiwillig, oft mit Einkommen, die nicht zum Leben reichen. Auf der anderen Seite arbeiten Vollzeitbeschäftigte in Österreich mit durchschnittlich 42,5 Stunden/Woche deutlich länger als der EU-Schnitt.
  • Mehr Verteilungsgerechtigkeit: ArbeitnehmerInnen produzieren heute um ein Viertel mehr als noch vor 20 Jahren. Profitiert haben davon vor allem die Unternehmen, die enorme Gewinne eingefahren haben. Die Reallöhne sind im selben Zeitraum kaum gewachsen. Eine Arbeitszeitverkürzung wäre also nur eine verspätete Abgeltung unseres Anteils am Produktivitätsfortschritt.

Arbeitszeitverkürzung ist machbar und nur gerecht – weil wir sie uns ohnehin längst selbst erarbeitet haben.


Weiterführende Links:

​https://wien.gbw.at/artikelansicht/beitrag/arbeitszeitverkuerzung-ein-interview/

​https://www.gruene.at/enquete-arbeitszeitverkuerzung

​Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf 70%
(V. Renate)

Während Beschäftigte, die infolge der Corona-Krise Kurzarbeit beziehen, 80-90 Prozent ihres vorher bezogenen Nettoeinkommens bekommen, sieht das Hilfspaket der Regierung keine zusätzliche Unterstützung für Erwerbsarbeitslose vor. Erwerbsarbeitslose bekommen demnach zumeist nur 55 Prozent – der Prozentsatz ist einer der niedrigsten in der EU und liegt auch unter dem OECD-Durchschnitt von 63 Prozent. Das reicht nicht aus um die Existenz der Betroffenen zu sichern. Das wird auch von den Betroffenen so erlebt: bei einer Befragung der Arbeiterkammer Wien wird die Höhe des Arbeitslosengeldes als viel zu gering angegeben. Die subjektive Einschätzung wird von Studien bestätigt: Knapp ein Viertel der ArbeitslosengeldbezieherInnen sind innerhalb von 1-5 Monaten von Armut bedroht. Das ist kein Wunder, liegt doch das Arbeitslosengeld meistens unterhalb der sogenannten Einkommensarmutsschwelle von 60 Prozent des Median-Pro-Kopf-Haushaltseinkommens oder 1.259 Euro für einen Einpersonenhaushalt. (Zahlen: 2018, Quelle: Armutskonferenz). 

Die derzeitige Krise zeigt einmal mehr, wie rasch Menschen in die Arbeitslosigkeit rutschen können. In der jetzigen Situation wird es für viele Betroffene schwierig in nächster Zeit einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Deshalb braucht es gerade jetzt Maßnahmen zur Existenzsicherung. Eine Maßnahme ist die sofortige Anhebung der Nettoersatzrate im Arbeitslosengeld auf mindestens 70 Prozent als weitere Maßnahme des Corona-Hilfspakets.

Das hat nicht nur den positiven Aspekt, dass ein weiterer Anstieg der Armut vermieden wird, sondern führt auch dazu, dass die Betroffenen mehr Geld zum ausgeben haben – was sich positiv auf andere Betriebe (und dem Einkommen deren Beschäftigten) auswirkt. 

Einer der Gründe, warum wir Grünen Wien seit langem eine Anhebung der Arbeitslosengeldes fordern. 


Weiterführende Links:

http://www.armutskonferenz.at/armut-in-oesterreich.html

Gerechte Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit
(V. Michaela)

Wenn wir von der Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit sprechen, geht es in Erster Linie um die Aufteilung von Versorgungsarbeiten (zB Kinderbetreuung, Haushalt, Altenbetreuung,..) zwischen Männern und Frauen. Nach wie vor leisten Frauen meist den Großteil diese Arbeiten. Frauen wenden durchschnittlich 2/3 ihrer gesamten Arbeitszeit für unbezahlte Versorgungsarbeit und 1/3 für bezahlte Arbeit auf während es bei Männern genau umgekehrt ist. Auch Teilzeit spielt hier eine Rolle. Aufgrund von Teilzeit Arbeit kommt es neben einem geringeren (Lebens-)Einkommen, auch zu Einbußen beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe. Noch schlimmer trifft es Personen die einer oder auch mehrere geringfügiger Arbeiten nach gegangen sind. Denn diese haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Es hat auch langfristig negative Auswirkungen auf den Pensionsanspruch bzw. die Höhe der Pension.

Warum das so ist? Der Grund für Männer Teilzeit zu arbeiten ist in erster Linie eine Weiterbildung (22%) und dann ein eher unfreiwilliger Grund, da es keine Vollzeitstelle in der gewünschten Branche gab (18%). Bei Frauen sind die Gründe meist Betreuungs- oder Pflegepflichten (40 %). (Quelle: Statistik Austria/Mikrozensus 2016) Das heißt, nach einer Teilzeitphase verdienen Männer (aufgrund der Erhöhung ihrer beruflichen Qualifikation) zu einem viel höheren Prozentsatz mehr als Frauen. Auch die Pension ist dadurch bei Männern höher als bei Frauen, wodurch eine höhere Gefahr von Frauen-Altersarmut besteht.

Daher ist es notwendig die Versorgungsarbeit bzw. nicht bezahlte Arbeit gerechter, zwischen den Geschlechtern, auf zu teilen. Ein gesellschaftlicher Wandel wäre hier längst angebracht.


Weiterführende Links:

https://www.gruene.at/themen/frauen-gleichbehandlung/disoski-vana-fuer-europaeisches-konjunkturpaket-fuer-frauen-und-gleichstellung

https://awblog.at/gendergaps-arbeitslosengeld-notstandshilfe/

https://www.derstandard.at/story/2000056673975/studie-arbeit-ohne-lohn-bleibt-frauensache

​Investitionen in eine nachhaltige Wirtschaft​

​​(V. Renate)


Die Hitzesommer der letzten Jahre zeigen: die ökologische Frage ist eine Überlebensfrage. Es braucht jetzt den Einstieg in eine nachhaltige Wirtschaft. Es ist dringend notwendig, den CO2 Ausstoß zu reduzieren – und zwar nicht nur, weil bei Nichterreichen der Klimaziele Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen.

Ökosteuern – wie eine CO2 Steuer - sind eine wichtige Maßnahmen um den Klimaschutz voranzutreiben. Und sie können sozial gerecht gestaltet werden. Beinahe alle Konzepte einer ökologischen Steuerreform verstehen sich als "aufkommensneutral". Wenn einerseits Steuern auf Umweltverschmutzung und Klimaschädigung erhöht werden, werden anderswo in gleichem Ausmaß Steuern gesenkt - und zwar Steuern und Abgaben auf Arbeit. Damit wird die ökologische Steuerreform zur ökosozialen Steuerreform.

Eine ökosoziale Steuerreform wie sie den Grünen vorschwebt sieht einen Ökobonus vor - die Rückerstattung eines Teils des Ökosteueraufkommens als Steuergutschrift oder Transferleistung für ArbeitnehmerInnen und Privathaushalte. Besonders profitieren davon untere und mittlere Einkommen - diese würde gewinnen, weil sie weniger Energie verbrauchen und daher auch weniger Ökosteuern zahlen müssen, als sie über den Ökobonus zurück erhalten. Einkommensstarke Haushalte haben dagegen einen deutlich höheren Energieverbrauch – sie zahlen deshalb mehr Ökosteuern. Ökosteuern haben in diesem Sinnen auch eine bessere Verteilungswirkung. Der Ökobonus belohnt zusätzlich jene Haushalte, die umweltfreundlicher leben. 

Aus dem Ökosteueraufkommen soll zusätzlich ein Klimawendefonds finanziert werden der vor allem einkommensschwächere Haushalte beim Umstieg auf erneuerbare Energien unterstützen soll. Sei es Wärmegewinnung, Energiesparmaßnahmen oder PendlerInnen aus ländlichen Regionen.

Natürlich können Umweltsteuern nicht alle Klimaprobleme lösen. Es braucht dringend  Investitionen in öffentliche Verkehrsmittel, eine Mobilitätsgarantie, umweltfreundliche Mobilität, thermische Sanierung, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, einen Verzicht auf klimaschädigende Großprojekte wie die Lobauautobahn und die Dritte Flughafenpiste und gesetzliche Maßnahmen (sozial-ökologische Bauordnung, keine Neuzulassung von Verbrennungsmotoren ab 2030 ...).


Weiterführende Links:

https://www.gbw.at/oesterreich/artikelansicht/beitrag/markus-koza-arbeitszeitverkuerzung-ist-ein-zentraler-punkt-fuer-ein-gutes-leben/

Psychologische Beratung bei Arbeitslosigkeit
(V. Ursula)

Besonders in Krisenzeiten brauchen wir ein dichtes Angebot an Beratung, Information und Vernetzung um uns zu stabilisieren. Im Coronakrisen - Shut-Down gibt es einen zunehmenden Pegel an Belastungen und Unsicherheiten, einen Mangel an sozialen Kontakten. Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, Kleinunternehmer*innen, Künstler*innen, Kulturschaffende, Kulturveranstalter*innen, Schauspieler*innen fragen sich: Wie können wir die aktuellen Hürden bewältigen? Wie lange wird das noch dauern? Psychologische und psychosoziale Beratungsangebote bei Arbeitslosigkeit und drohender Arbeitslosigkeit sind in der aktuellen Situation sehr wesentlich.


Weiterführende Links:

​Helpline 01/504 8000 - Psychologische Hilfe bei Krisen

​Versorgung von Personen mit psychischen Beschwerdebildern im Rahmen von fit2work

​Beratung betreffend Weiterbildung und Möglichkeiten mit Berücksichtigung der psychosozialen Situation


schulungen für Arbeitslose
​​​​​​​​(V. Ursula)

Auch in der aktuellen Krisensituation sollte den Arbeitssuchenden die Palette der möglichen Kurse und Schulungen angeboten werden. Einerseits als Videokonferenz und Video-Telefonie während der Zeit des Coronakrisen - Shutdowns. Andererseits als mittel- und langfristige Perspektive als Präsenz-Einheiten. Allgemeine Kurse, Bewerbungstrainings, Social-Skills-Trainings, Sprachkurse und ECDL-Kurse. Diese Kurse geben Tages- und Wochenstruktur, Empowerment, ermöglichen ein Vernetzen & Rücken stärken, die Begegnung von anderen Arbeitssuchenden und das Erhalten von Fertigkeiten und Skills. Im Idealfall gibt es ein maßgeschneidertes, individuelles Coaching, Beratungsangebote mit kreativen Methoden. Wir möchten auch betonen, dass wir freiwillige Schulungen wollen. Menschen wählen aus einer Palette von Angeboten aus. Der Zugang zu den Schulungen soll denjenigen Arbeitssuchenden ermöglicht werden, die das Coaching, den Kurs, die Fortbildung gerne annehmen möchten. Für Menschen mit Betreuungspflichten, soll auf diese Rücksicht genommen werden. Unternehmen und Mitarbeiter*innen müssen über die Möglichkeiten von Arbeits-Stiftungen informiert werden.


Weiterführende Links:

https://www.aufleb.at/​

https://www.waff.at/unternehmen/arbeitsstiftungen-und-krisenmanagement/

https://www.waff.at/jobs-ausbildung/arbeitsstiftungen

https://www.akzent-wien.at/covid-19/

https://www.akzent-wien.at/