Bessere Stadt, besseres Leben

Luftild von der Innenstadt von Wien

Bessere Stadt, besseres Leben

2014 hat die UN erstmals den Welttag der Städte ausgerufen. Ziel dieses Aktionstages soll es sein, gemeinsam Chancen und Herausforderungen einer nachhaltigen Verstädterung zu erkennen. Heuer steht der Tag unter dem Motto „Bessere Stadt, besseres Leben“.

Städte wachsen

Die Urbanisierung schreitet schnell voran: Mittlerweile wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Bis 2050 sollen es sogar bis zu 70% sein. (Quelle: UN-Bericht​) Das UN-Nachhaltigkeitsziel „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ (SDG11) ist somit ein besonders wichtiges am Weg zur Erreichung der Klimaziele. 

Zum Welttag der Städte zeigen wir daher, wie eine nachhaltige Stadtentwicklung einerseits einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten und andererseits die Lebensqualität nachhaltig verbessern kann. Besonders wichtige Schrauben, an denen man in der Stadtplanung drehen kann, sind Mobilität, Energie und Bauen. – Mit ein paar Beispielen wollen wir uns diese Bereiche näher anschauen.

NACHHALTIGE MOBILITÄT FÖRDERN: MACHT ES EINFACH!

Private Kfz sind eine doppelte Belastung für jede Stadt. Sowohl der enorme CO-Ausstoß als auch der übermäßige Flächenbedarf im öffentlichen Raum machen deutlich, dass eine Mobilitätswende längst überfällig ist. Und die Lösung ist so einfach: Alternative Mobilitätsformen müssen bequemer nutzbar sein. Es muss günstiger und weniger zeitaufwendiger sein, in den Zug zu steigen oder das Fahrrad zu nehmen als den privaten Pkw. 

Die Kopenhagener Stadtverwaltung hat es vorgemacht: Sie hat über Jahrzehnte in die Fahrradinfrastruktur investiert und die Fahrradkultur aktiv gefördert. Bereits in den 1970er Jahren begann man, den Parkraum für Autos jährlich um drei Prozent zu reduzieren und die Parkgebühren konsequent zu erhöhen. Mittlerweile liegt das Verhältnis von Fahrrad zu Auto in der Stadt bei 5:1. 

Alle zwei Jahre veröffentlich die Stadt einen detaillierten Fahrradbericht, den Bicycle Account. Dieser kombiniert objektive Daten mit Befragungen der Radfahrenden und gibt damit Auskunft über den Status Quo und Verbesserungsmöglichkeiten. 

Seit 2011 ist auch eine Fahrradstrategie in Kopenhagen​ in Kraft. Unter dem Motto Good, Better, Best will Kopenhagen bis 2025 zur besten Fahrradstadt der Welt werden. Die Strategie vereint viele Maßnahmen, von denen wir hier in Wien nur träumen können. 

Darunter unter anderem:

  • Radschnellwege
  • breite Radwege (mind. 1,70m – meistens 2,20m, oft sogar 3-4m
  • breit), die auch von Lastenrädern problemlos genutzt werden können
  • überwiegend Einrichtungsradwege
  • Betreuung durch designierte Fahrradweg-Beauftragte
  • komfortable Radstellplätze
  • Haltegriffe und Fußstützen an Ampeln
  • Erleichterte Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln

NACHHALTIGE NUTZUNG VON RESSOURCEN: SMART CITIES

Smart City beinhaltet viele Konzepte, die Städte effizienter gestalten und somit darauf abzielen, unter anderem ihren Ressourcenverbrauch zu reduzieren.

Ein besonders wichtiger Aspekt dabei ist der Energieverbrauch. Der Anteil an erneuerbaren Ressourcen wie Solar- oder Windenergie muss konsequent steigen, um die Klimaziele erreichen zu können. 

Vorreiter auf diesem Gebiet ist Amsterdam: Bereits 2040 will die Stadt klimaneutral sein und sich selbst mit Energie versorgen. Auf dem Weg dorthin wurde das city-zen Programm​ entwickelt. Unter dem Motto „New urban energy“ werden laufend neue Projekte umgesetzt. Die Stadt erweist sich als äußerst experimentierfreudig und scheut sich nicht davor, Industrie und Zivilgesellschaft mit einzubeziehen. 

Hier ein paar Beispiele: 

  • Das Pilotprojekt „Walstroom“ soll Schiffe, die am Amsterdamer Hafen anlegen mit lokal produzierter sauberer Energie versorgen. Sie sollen die bisher üblichen Dieselgeneratoren ersetzen.
  • Im Houthaven District werden die Gebäude mit dem kühlen Wasser des angrenzenden Flusses gekühlt. Alle neuen Gebäude wurden mit einem nachhaltigen Kühlsystem ausgestattet.
  • Klimastraße Utrechtstraat: 40 Geschäftsbetreiber:innen wurden miteinbezogen, um die klimafreundlichste Einkaufsstraße der Welt zu schaffen. Unter anderem wurde die Beleuchtung und Abfallentsorgung optimiert.
  • Energiesparwettbewerbe an Schulen haben zu einer Energieeinsparung von zehn Prozent und einer immensen Bewusstseinsbildung geführt.
  • In einem Kanalhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde eine hochmoderne Brennstoffzelle installiert und getestet.
  • In zahlreichen Pilotprojekten testen Haushalte Energiemanagementsysteme mit intelligenten Steckern.

BESSERE QUARTIERE: STOFFKREISLÄUFE OPTIMIEREN​

Ein Vorreiter in Sachen nachhaltiges Bauen ist Stockholm. Bis 2040 will die Stadt die „smarteste Stadt weltweit“ sein. Bereits 2030 soll die Stromerzeugung ausschließlich auf erneuerbaren Energiequellen basieren. In einer gemeinsamen Vision „Vision 2040 – Ett Stockholm för alla​“ legte die Stadt bereits 2015 fest bis 2040 klimaneutral zu sein. 

Die Stadt verzeichnet seit Jahren ein starkes Wachstum und schafft analog dazu laufend neuen Wohnraum. Diese Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Stoffkreisläufe optimiert sind. Die neuen Quartiere Hagastaden, Royal Seaport und Årstafältet sind allesamt mit Solaranlagen auf den Dächern ausgestattet. Regenwasser wird lokal gespeichert (flächendeckend Schwammstadt-Bauweise von Baumstandorten als Standard) und zur Versorgung der Bäume und Grünflächen verwendet. Im Entwicklungsgebiet Royal Airport wird die Wärme des Abwassernetzes per Wärmepumpe zum Heizen der Gebäude verwendet. Brennbare Abfälle werden über ein unterirdisches Röhrensystem in das Heizkraftwerk geschickt, wo sie zur Strom- und Wärmeerzeugung verwendet werden. In Zukunft soll auch die Abwärme von Rechenzentren verwendet und bis 2035 bereits ein Zehntel des Heizbedarfs der Stadt decken. 

Wie ihr seht: Funktionierende Konzepte und Maßnahmen gibt es bereits viele, das Rad muss an dieser Stelle nicht neu erfunden werden. Es braucht aber vor allem eine gemeinsame Vision und die Unterstützung aller – Entscheidungsträger*innen, Unternehmen sowie Zivilgesellschaft – um diese auch umzusetzen und mutig bessere Städt für besseres Leben zu gestalten. 

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