Leerstand am Wienerfeld
Wiener Wohnen ist bei Sanierungen stark in Verzug. Gemeindewohnungen stehen leer, während Menschen händeringend nach günstigen Wohnmöglichkeiten suchen – auch in Favoriten.
Der Anlassfall Wienerfeld:
Das Wienerfeld war einst eine gepflegte Wohngegend – heute ein Geisterdorf. Wer hier durch spaziert, sieht zugenagelte Fenster, verwilderte Gärten und autoleere Straßen. Seit über einem Jahr steht die Siedlung beinahe komplett leer – wie kam es dazu?
Noch während des 2. Weltkriegs wurde mit dem Bau der Siedlung Wienerfeld West begonnen. Heute ist sie in die Jahre gekommen. Wegen Baufälligkeit wurde 2021 entschieden, sie zu erneuern: alte Häuser abreißen, durch moderne, umweltfreundliche Bauten ersetzen – mehr Grün, mehr Wohnfläche. Grundsätzlich ein sinnvolles Projekt, doch wie läuft die Umsetzung?
Über ein Jahr ist es her, dass die Absiedelung der Bewohner:innen begann. Die meisten Häuser stehen längst komplett leer – dennoch wurde in den meisten Fällen noch nicht mit dem Neubau begonnen. Im September 2024 erfolgte der Spatenstich für den ersten Musterbau – der Bezirksvorsteher posierte stolz mit einer Visualisierung des künftigen Hauses vor der Kamera. Bereits im Spätsommer 2025 könnten die ersten Bewohner:innen einziehen, so die Bekanntmachung von Wiener Wohnen.
Ein Jahr später: Mein Kollege Christian und ich besichtigten das Geisterdorf am Wienerfeld. Der erste Musterbau ist fertig – aber leer. Niemand wohnt hier. Sonst wurde an keiner anderen Stelle mit dem Bau begonnen. Warum dauert das so lange? Warum werden die längst verlassenen Häuser nicht abgerissen? Warum wohnt niemand im neuen Haus?
Vor allem fragen wir uns: Wie viele weitere solche Fälle gibt es noch in Favoriten – wie viele Gemeindewohnungen stehen leer, weil Sanierungen nicht durchgeführt werden?
Informationen wider Willen
Also bringen wir eine Anfrage an den Bezirksvorsteher (SPÖ) ein – derselbe, der stolz auf der Bekanntmachung von Wiener Wohnen posierte. Er verweigert uns die Antwort: das Thema falle nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Damit geben wir uns aber nicht zufrieden und fragen direkt bei Wiener Wohnen nach.
Vor einigen Jahren wäre diese vermutlich unbeantwortet geblieben – dank dem Informationsfreiheitsgesetz, das die Grünen in der Regierung durchsetzen konnten, muss Wiener Wohnen solche Anfragen nun beantworten. Weil wir schon dabei sind, stellen wir die Fragen auch gleich für ganz Wien.
Und tatsächlich: Wir bekommen eine Antwort auf alle Fragen!
Die vollständige Antwort haben wir hier angehängt.
Anwort von Wiener Wohnen auf unserer Fragen
1.486 leere Gemeindewohnungen in Favoriten
Von 27.777 Gemeindewohnungen in Favoriten stehen 1.486 offiziell leer – über 5% (Stand 31.12.2024). Wohnungen, in denen Menschen gemeldet sind, aber nicht wohnen, sind dabei noch nicht eingerechnet.
In ganz Wien hatte Wiener Wohnen 210.099 Mietwohnungen (Ende 2024) – davon 8.784 offiziell leerstehend. Während Menschen händeringend nach leistbaren Wohnungen suchen, hinkt Wiener Wohnen bei Sanierungen hinterher. Den Wiener:innen fehlen diese Wohnungen!
Langsame Sanierungen – Kritik vom Rechnungshof
Bereits 2021 kritisierte der Rechnungshof die langsamen Sanierungen: Alle 30 Jahre sollte jede Wohnung saniert werden – dafür wären jährlich 7.300 Sanierungen nötig. Im überprüften Zeitraum waren es aber nicht einmal halb so viele.
Realistisch werden bei Wiener Wohnen die Wohnungen durchschnittlich erst nach 67 Jahren saniert.
Laut Auskunft des Wohnbauressorts an den grünen Wohnbausprecher Georg Prack werden auch 2026 nur die Sanierungen von 30 Wohnhausanlagen mit insgesamt 2.900 Wohnungen fertiggestellt. Diese Zahl ist weit entfernt von den notwendigen 7.300. Um den Rückstand, der in den letzten Jahren angefallen ist, aufzuholen, wären sogar noch mehr Sanierungen notwendig.
Seit Mein Bezirk über unsere Anfrage berichtete, melden sich immer mehr Favoritner:innen bei uns mit Hinweisen auf leerstehende Gemeindewohnungen.
Wiener Wohnen muss den Sanierungsrückstand endlich beheben! Das würde nicht nur langfristig mehr leistbaren Wohnraum schaffen, sondern auch beim Einsparen von Energie und der Reduktion von Bodenverbrauch helfen.
Zusätzlich stehen tausende Wohnungen im privaten Bereich zu Spekulationszwecken leer, während Mieter:innen teilweise in Baustellenhäusern unter widrigen Bedingungen leben müssen. Deshalb fordern die Grünen seit Langem eine Leerstandsabgabe in Wien.
Du kennst weitere Fälle von leerstehenden Häusern? – Melde dich bei uns!
Wir alle brauchen ein sicheres Dach über dem Kopf – doch Mietpreise für neue Verträge steigen weiter. Das trifft vor allem junge Menschen, die erstmals von zu Hause ausziehen und sich die hohen Mieten nicht leisten können. Leerstand – bei Wiener Wohnen oder im privaten Bereich – muss reduziert werden. Wohnungen sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren! Mit unserer Arbeit im Bezirk wollen wir Missstände am Wohnungsmarkt aufdecken und bekämpfen.
Wenn du Häuser kennst, die als Spekulationsobjekte leer stehen, wo Mieter:innen schikaniert werden oder wo nur noch Airbnb Wohnungen übrig sind – melde dich bei uns!
Christian und ich schauen uns diese Häuser gerne selber an.



